Wetter- und Abbruchkriterien-Karte
Die Entscheidung, eine Veranstaltung zu unterbrechen, trifft man schlecht um vier Uhr nachmittags, wenn der Himmel schon schwarz ist und dreihundert Leute auf dem Gelände stehen. Man trifft sie vorher, in Ruhe, und schreibt sie auf eine Karte, die im Orga-Zelt hängt.
Das Werkzeug erzeugt genau diese Karte: Schwellenwerte und Maßnahmen je Stufe, gefiltert nach eurem Gelände und euren Aufbauten, dazu die Alarmkette — wer beobachtet, wer entscheidet, wie wird gewarnt, wohin wird geräumt.
Die Abbruchkriterien von hier gehören wörtlich ins Sicherheitskonzept — den baut ihr im Sicherheitskonzept-Assistent. Wie viele Sanitäter bei Hitze nötig sind, sagt der Sanitätsdienst-Rechner.
Noch offen: Wer beobachtet die Prognose?, Wer entscheidet über Unterbrechung und Räumung?, Sammelplatz, Schutzräume in der Nähe (Gebäude, Fahrzeuge, Halle). Auf der Karte stehen sie als Lücke.
Wetterkarte
Wind
- Für keinen Aufbau ist ein Betriebswind eingetragen. Ohne diese Zahl gibt es keine belastbare Windschwelle — fragt beim Vermieter nach dem Prüfbuch.
Gewitter
- Unter 30 Sekunden zwischen Blitz und Donner: Schutz aufsuchen (Gebäude, Fahrzeuge)
- Freie Flächen, einzelne Bäume, Metallgestänge, Bühnen und Wasser meiden
- Rückkehr frühestens 30 Minuten nach dem letzten Donner
- Bühnen- und Tontechnik vom Netz
Hitze
- Ab 32 °C gefühlt: Trinkwasser kostenlos und sichtbar, Schattenplätze, Trinkpausen ansagen
- Ab 38 °C gefühlt: körperlich fordernde Programmteile absagen oder verschieben
- Sanität auf Hitzeerschöpfung sensibilisieren, Kühlmöglichkeit einrichten
- Mittagszeit programmfrei halten
UV-Strahlung
- Ab Index 3: Schatten, Kopfbedeckung, Sonnenschutz empfehlen
- Ab Index 6: Schattenplätze bereitstellen, Hinweis bei der Ansage
- Ab Index 8: Aufenthalt in der Sonne begrenzen, Programm in den Schatten verlegen
Starkregen
- Elektrik erhöht und spritzwassergeschützt, Verteiler abdecken
- Wege auf Rutschgefahr prüfen, rutschige Stellen sperren
- Ausweichflächen und Gebäude benennen
Nachtkälte
- Beheizbaren Aufwärmort benennen, auch im Sommer
- Vor dem Event auf Schlafsack-Temperatur und Isomatte hinweisen
- Nachtprogramm bei Kälte kürzen, Kontrollgang durch die Orga
Hitze in Gewandung und Rüstung
- Gambeson und Rüstung stauen Hitze: Kampfpausen einplanen, nicht nur anbieten
- Wasserstellen im Spielgebiet, nicht nur im Lager
- Wer im Charakter bleiben will, wird trotzdem herausgenommen — das ist keine Verhandlung
- Marshals achten auf Anzeichen, nicht die Spielenden selbst
Alarmkette
- [Wer beobachtet die Prognose?] sieht die Prognose morgens, mittags und abends an
- [Wer entscheidet über Unterbrechung und Räumung?] entscheidet über Unterbrechung und Räumung, Vertretung ist benannt
- Warnung über ein vereinbartes Signal — Horn, Durchsage, Funkgruppe
- Sammelplatz: [Sammelplatz] · Schutzräume: [Schutzräume in der Nähe (Gebäude, Fahrzeuge, Halle)]
- Nach der Warnung wird gezählt; erst dann gilt das Gelände als geräumt
So wird gerechnet
Die Windschwellen sind das Besondere daran, weil sie keine festen Zahlen sind. IGVW SQP5 rechnet in Anteilen des Betriebswinds des jeweiligen Aufbaus, und der steht im Prüfbuch: informieren ab 70 %, bereithalten ab 85 %, Betrieb einstellen und räumen ab 95 %. Ein Zelt für 80 km/h und ein Pavillon für 40 km/h haben bei demselben Wind völlig verschiedene Nachmittage.
Auf dem Gelände gilt die niedrigste Räumschwelle. Sobald ein Aufbau geräumt werden muss, ist der Wind kein örtliches Problem mehr.
Hitze folgt den DWD-Warnstufen für gefühlte Temperatur: starke Wärmebelastung ab etwa 32 °C, extreme ab 38 °C. Gewitter folgt der 30/30-Regel: Schutz suchen, wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden liegen, und frühestens 30 Minuten nach dem letzten Donner zurück.
Die Karte enthält nur, was euch betrifft. Sturzfluten stehen drauf, wenn ihr am Hang seid, Astbruch im Wald, Nachtkälte bei Übernachtung. Eine Karte, auf der alles steht, liest am Eventtag niemand.
- Wind: IGVW SQP5; Betriebswind aus dem Prüfbuch des Aufbaus (DIN EN 13782 / 13814)
- Hitze: DWD-Warnstufen für Wärmebelastung · UV: Bundesamt für Strahlenschutz
- Gewitter: 30/30-Regel der allgemeinen Blitzschutzpraxis
Alle Werte mit Quelle und Prüfdatum stehen im Kennzahlen-Register — dort steht auch, wann sie zuletzt gegen die Verordnung geprüft wurden.
Häufige Fragen
Dann steht er im Prüfbuch oder in der Aufbauanleitung — beim Vermieter nachfragen, bevor das Zelt steht. Ohne diese Zahl gibt es keine belastbare Windschwelle, und das sagt die Karte auch, statt einen Wert zu erfinden. Fliegende Bauten über 75 m² brauchen ohnehin ein Prüfbuch.
Weil eine automatische Warnung eine Zusage ist, die wir nicht halten können — und weil die Entscheidung ohnehin ein Mensch trifft. Die Karte sagt, wer die Prognose in welchem Intervall ansieht. Das ist weniger bequem und deutlich verlässlicher.
Die Schwellen sind Auslöser, keine Automatik. Wichtiger als der exakte Wert ist, dass vorher feststeht, wer entscheidet und wohin geräumt wird — und dass diese Person erreichbar und nicht gleichzeitig Spielleitung ist.
Es gehört hinein. Die Karte ergänzt die Notfallkarte aus dem Sicherheitskonzept-Assistenten; Abbruchkriterien bei Wetter sind dort eine eigene Gefährdung (B-01 bis B-05).
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Verwandte Werkzeuge
- Sicherheitskonzept-AssistentGeführte Gefährdungsbeurteilung in sieben Schritten, mit Katalog, Maßnahmenplan und Notfallkarte.
- Sanitätsdienst-RechnerMaurer-Schema und Kölner Algorithmus nebeneinander — Helfer, Fahrzeuge, Notärzte, Wachbezirke.
- Countdown-AufgabenplanVon zwölf Monaten vorher bis vier Wochen danach — mit Fristen, Zuständigkeiten und Verweis aufs Werkzeug.
Orientierungswert. Dieser Rechner ersetzt keine Abstimmung mit Ordnungsamt, Bauaufsicht, Feuerwehr oder Fachplanung. Die Muster-Verordnungen der Länder weichen voneinander ab, und für eure Veranstaltung gilt die Verordnung eures Bundeslandes samt der Auflagen aus eurer Genehmigung.
Stand der Kennzahlen: 1.0 · zuletzt geprüft: 2026-09-18