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Sanitätsdienst-Rechner

Wie viele Sanitäter braucht eure Veranstaltung? Die Frage stellt euch spätestens das Ordnungsamt, und „wir haben da zwei Leute mit Erste-Hilfe-Schein“ ist selten die Antwort, die genügt. Das Maurer-Schema ist der in Deutschland gebräuchlichste Weg, aus Besucherzahl, Veranstaltungsart und besonderen Umständen eine Gefahrneigung zu berechnen und daraus Helfer, Fahrzeuge und Notärzte abzuleiten.

Der Rechner bildet beide gebräuchlichen Verfahren ab: das Maurer-Schema mit allen 30 Veranstaltungsarten und den Kölner Algorithmus, der nicht Punkte vergibt, sondern schätzt, wie viele Menschen tatsächlich Hilfe brauchen werden. Die beiden kommen absichtlich zu unterschiedlichen Ergebnissen — wer beide rechnet, sieht, woran das liegt.

Für LARP und Outdoor-Veranstaltungen, die in keinem der Verfahren vorkommen, gibt es weiter unten einen Hinweisblock: Faktoren, die euch zu einer höheren Einstufung bewegen sollten.

Die zulässige Besucherzahl, mit der ihr hier rechnet, liefert der Kapazitäts- und Rettungsweg-Rechner; was bei Hitze oder Gewitter zusätzlich gilt, steht in der Wetter- und Abbruchkriterien-Karte.

Maurer-Schema: Eure Zahlen

Aus der Genehmigung oder dem Kapazitätsrechner.
Bestimmt den Wichtungsfaktor. Für LARP siehe den Hinweisblock unten.
Keine zulässige Besucherzahl bekannt?

Das Schema erlaubt die Schätzung mit vier Personen je Quadratmeter Veranstaltungsfläche.

Gesamtgefahrneigung

0,8 Punkte

Besucherpunkte 2 × Wichtung 0,4 + Sonderpunkte 0

  • Sanitätshelfer: kein Sanitätswachdienst (ggf. 2 Helfer)
  • KTW: 0
  • RTW: 0
  • Notärzte: 0
  • Großraum-RTW: 0
  • Einsatzleitung: keine stabsmäßige Einsatzleitung
  • Unfallhilfsstelle: keine UHS

Für LARP und Outdoor: Gründe, eine Stufe höher zu gehen

Das Schema kennt keine Waldveranstaltung mit Nachtspiel. Diese Punkte rechnet es nicht — sie sind Gründe, eine höhere Veranstaltungsart zu wählen und das gegenüber der Behörde zu begründen.

  • Anfahrtszeit des Rettungsdienstes deutlich über zehn Minuten
  • Nachtbetrieb mit Spiel oder Aufbau im Dunkeln
  • Wald, unwegsames Gelände, schwer auffindbare Einsatzstellen
  • Kampfhandlungen, auch mit Polsterwaffen
  • Offenes Feuer, Fackeln, Feuershow
  • Gewässer auf oder am Gelände
  • Minderjährige Teilnehmende
  • Mehrtägige Veranstaltung mit Übernachtung

Beide Verfahren liefern Orientierungswerte aus der Erfahrung, keine Rechtsnorm. Verbindlich ist, was Ordnungsamt, Rettungsdienst und die beauftragte Hilfsorganisation miteinander festlegen.

Maurer-Schema (Algorithmus nach Maurer), Wikipedia-Fassung, abgerufen am 2026-09-18

So wird gerechnet

Das Schema rechnet: Die Punktwerte für die maximal zulässige und für die erwartete Besucherzahl werden addiert, die Summe wird mit dem Wichtungsfaktor der Veranstaltungsart multipliziert, und auf das Produkt kommen die Punkte für besondere Umstände.

Findet die Veranstaltung in einer baulich geschlossenen Umgebung statt, wird der Punktwert verdoppelt — die Stelle steht im Schema unter „Anzahl der Besucher“, der Rechner verdoppelt deshalb die Besucherpunkte vor der Wichtung und nicht das Ergebnis. Für je fünf Personen mit VIP-Status kommen zehn Punkte dazu, höchstens dreißig; bei Erkenntnissen über erhöhte Gewaltbereitschaft einmalig zehn.

Aus der Gesamtgefahrneigung werden dann Sanitätshelfer, KTW, RTW, Notärzte, Großraum-RTW, die Art der Einsatzleitung und die Unfallhilfsstelle abgelesen. Die Grenzen der Stufen gehören jeweils zur unteren Stufe: 13,0 Punkte sind noch „4,1 – 13,0“.

Ist keine zulässige Besucherzahl bekannt, erlaubt das Schema die Schätzung mit vier Personen je Quadratmeter Veranstaltungsfläche. Das ist eine andere Frage als die nach der zulässigen Personenzahl — dafür gibt es den Kapazitätsrechner.

Der Kölner Algorithmus rechnet anders herum: Über Großveranstaltungen hinweg brauchen erfahrungsgemäß zwei von 1.000 Besuchern in zehn Stunden sanitätsdienstliche Hilfe. Ein Fünftel davon muss rettungsdienstlich versorgt werden, davon wiederum ein Zehntel notärztlich. Diese Grundwerte werden mit fünf Risikofaktoren multipliziert — Wetter, Publikum, Massenphänomene, Eignung der Versammlungsstätte und eigene Erfahrungswerte. Multipliziert, nicht addiert: Warmes Wetter und ein schlecht anfahrbares Gelände zusammen haben im Beispiel der Quelle aus 80 Versorgungen 180 gemacht.

Aus den geschätzten Versorgungen wird dann geplant: Wie viele Rettungswagen braucht es zusätzlich, wenn der Regelrettungsdienst einen Teil auffangen kann? Wie groß darf ein Wachbezirk sein, damit ein Trupp in der Hilfsfrist ankommt — im dichten Gedränge kommt er viermal langsamer voran als in einer bestuhlten Halle? Und ab welcher Einsatzdichte je Stunde reicht ein Einsatztrupp nicht mehr?

  • Maurer-Schema (Algorithmus nach Maurer) — Erfahrungswerte, keine Rechtsnorm
  • Kölner Algorithmus: Knopp/Schmidt, „Der Kölner Algorithmus im Vergleich zum Maurer-Schema“, vfdb, Februar 2010
  • Verbindlich ist die Abstimmung mit Ordnungsamt, Rettungsdienst und Hilfsorganisation

Alle Werte mit Quelle und Prüfdatum stehen im Kennzahlen-Register — dort steht auch, wann sie zuletzt gegen die Verordnung geprüft wurden.

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Orientierungswert. Dieser Rechner ersetzt keine Abstimmung mit Ordnungsamt, Bauaufsicht, Feuerwehr oder Fachplanung. Die Muster-Verordnungen der Länder weichen voneinander ab, und für eure Veranstaltung gilt die Verordnung eures Bundeslandes samt der Auflagen aus eurer Genehmigung.

Stand der Kennzahlen: 1.0 · zuletzt geprüft: 2026-09-18