Awareness-Konzept-Baukasten
Ein Awareness-Konzept ist kein Text, den man einmal schreibt und dann hat. Es ist eine Handvoll Entscheidungen: Wer ist ansprechbar, wie erreichbar, was passiert nach einer Meldung, wo kann man hin, und wer darf jemanden ausschließen. Dieser Baukasten stellt genau diese Fragen und schreibt aus den Antworten zwei Dokumente.
Zwei, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten. Teilnehmende müssen wissen, an wen sie sich wenden und was dann geschieht. Die Orga muss wissen, wer Dienst hat, welche Eskalationsstufen es gibt und wer entscheidet. Wer einem Publikum das Dokument des anderen gibt, bekommt ein Konzept, das niemand liest.
Das Konzept gehört als Anlage in die Gefährdungsbeurteilung, die ihr im Sicherheitskonzept-Assistent erstellt; die Termine dafür stehen im Countdown-Aufgabenplan.
Bausteine
Abwählen, was ihr nicht braucht. Drei Bausteine bleiben gesetzt — ohne sie ist es kein Konzept.
Grundbausteine
Es fehlen noch Angaben: Wie heißt euer Awareness-Team?, Erreichbarkeit. Im Text stehen sie als Lücke.
Infoblatt für Teilnehmende
Infoblatt für Teilnehmende: Grundhaltung und Geltungsbereich
Bei [eventName] sollen sich alle sicher fühlen. Diskriminierung, Belästigung und Grenzüberschreitungen haben hier keinen Platz — weder im Spiel noch außerhalb. Das gilt für Teilnehmende, Mitwirkende, Orga und Gäste, auf dem gesamten Gelände und über die ganze Veranstaltung.
Infoblatt für Teilnehmende: Ansprechpersonen und Erreichbarkeit
Ansprechbar sind [team]. Wir sind erkennbar an einer deutlichen Kennzeichnung und rund um die Uhr erreichbar unter [contact]. Ihr müsst nichts begründen und nichts beweisen, um uns anzusprechen — ein Hinweis genügt.
Infoblatt für Teilnehmende: Meldewege
Ihr könnt euch persönlich an [team] wenden, anrufen oder schreiben. Wir hören zu, halten fest, was ihr uns sagt, und besprechen mit euch, was als Nächstes passiert. Ohne euer Einverständnis gehen wir keinen Schritt weiter — außer wenn jemand in unmittelbarer Gefahr ist.
Briefing für die Orga
Briefing für die Orga: Grundhaltung und Geltungsbereich
Diese Haltung gilt für uns zuerst. Wir greifen ein, wenn wir etwas mitbekommen, auch wenn niemand sich beschwert hat, und wir halten uns selbst an dieselben Regeln. Wer im Team eine Grenze überschreitet, wird genauso behandelt wie alle anderen.
Briefing für die Orga: Ansprechpersonen und Erreichbarkeit
Awareness ist durchgehend besetzt; der Schichtplan hängt im Orga-Bereich aus. Wer Dienst hat, trägt die Kennzeichnung sichtbar und hat das Diensttelefon dabei. Übergaben laufen mündlich und mit einer kurzen Notiz zu offenen Vorgängen.
Briefing für die Orga: Meldewege
Jede Meldung wird aufgenommen, auch die beiläufige. Wir dokumentieren knapp und sachlich: was, wann, wer war beteiligt, was wurde vereinbart. Wir bewerten nicht vor der betroffenen Person und geben nichts an Dritte weiter, was nicht abgesprochen ist.
So wird gerechnet
Die Bausteine decken das ab, was ein Konzept tragen muss: Grundhaltung, Ansprechpersonen, Rückzugsraum, Meldewege, Eskalation, Substanzen, Fotos, Jugendschutz und Nachsorge. Für LARP kommen die Spielsicherheits-Mechaniken dazu — Safewords, OK-Check, Lookdown, Szenenausstieg, Kalibrierung, Content-Hinweise und Debriefing.
Drei Bausteine lassen sich nicht abwählen: Grundhaltung, Ansprechpersonen und Meldewege. Ein Konzept ohne sie ist keins.
Die Formulierungen sind Vorschläge und ausdrücklich zum Ändern gedacht. Ein Konzept, das eine Orga nicht in ihre eigenen Worte gebracht hat, ist eines, hinter dem sie im Ernstfall nicht steht.
Wo Angaben fehlen, steht im Text sichtbar eine Lücke wie [team] statt eines stillschweigend falschen Satzes — und der Baukasten sagt oben, welche Angaben noch fehlen.
- Spielsicherheits-Mechaniken: Nordic-Larp-Safety-Literatur und die deutschsprachige Szene
- Struktur: veröffentlichte Awareness-Leitfäden aus dem Kulturbereich
- Jugendschutz: unser eigenes Jugendschutzkonzept
Alle Werte mit Quelle und Prüfdatum stehen im Kennzahlen-Register — dort steht auch, wann sie zuletzt gegen die Verordnung geprüft wurden.
Häufige Fragen
Als Text ja, als Praxis nein. Ein Konzept wirkt durch Menschen, die es kennen und sich daran halten — durch das Briefing, die Schichten und die Bereitschaft, unangenehme Gespräche zu führen. Das Dokument ist die Grundlage dafür, nicht der Ersatz.
Dann benennt wenigstens zwei Personen, die ansprechbar sind und nicht gleichzeitig Spielleitung oder Ausschank machen. Zwei benannte Menschen sind unendlich viel mehr als ein Satz über Respekt.
Das Gegenteil. Wer weiß, dass er jederzeit aussteigen kann, lässt sich weiter ein. Die Mechaniken existieren, damit Szenen intensiv sein dürfen — nicht, um sie zu verhindern.
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Orga-Briefing
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Verwandte Werkzeuge
- Sicherheitskonzept-AssistentGeführte Gefährdungsbeurteilung in sieben Schritten, mit Katalog, Maßnahmenplan und Notfallkarte.
- Countdown-AufgabenplanVon zwölf Monaten vorher bis vier Wochen danach — mit Fristen, Zuständigkeiten und Verweis aufs Werkzeug.
- Wetter- und Abbruchkriterien-KarteDruckbare Karte mit Schwellen und Maßnahmen — Wind nach dem Betriebswind eures Aufbaus, nicht nach Bauchgefühl.
Orientierungswert. Dieser Rechner ersetzt keine Abstimmung mit Ordnungsamt, Bauaufsicht, Feuerwehr oder Fachplanung. Die Muster-Verordnungen der Länder weichen voneinander ab, und für eure Veranstaltung gilt die Verordnung eures Bundeslandes samt der Auflagen aus eurer Genehmigung.
Stand der Kennzahlen: 1.0 · zuletzt geprüft: 2026-09-18