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Ausrüstung16 Min. LesezeitVeröffentlicht am 16. Sept. 2026

LARP-Zelt & Lager: Der komplette Ratgeber für dein Zuhause im Spiel

Welches Zelt zu dir passt, warum ein neues vor dem ersten Event nass werden muss — und wie du im Lager warm, trocken und sicher schläfst.

Lager in der Abendsonne: eine Person in Gewandung sitzt an einer Feuerschale, dahinter Leinenzelte und ein rotes Banner

Es ist drei Uhr morgens. Draußen trommelt der Regen auf die Zeltplane, gleichmäßig und schwer, und irgendwo am Rand des Lagers ruft jemand die Wache. Drinnen glimmt eine Laterne, dein Umhang hängt über der Truhe zum Trocknen, und neben dir schnarcht ein Zwerg, den du vor drei Tagen noch nicht gekannt hast.

In diesem Moment merkst du: Das hier ist kein Camping. Das ist ein Zuhause in einer anderen Welt.

Genau darum ist die Frage nach dem richtigen LARP-Zelt eine der wichtigsten, die sich Einsteiger:innen stellen — und eine der am schlechtesten beantworteten. Wer danach sucht, landet fast automatisch in Shops. Wir sind eine gemeinnützige UG und verkaufen dir nichts. Deswegen beginnen wir mit dem Satz, den kein Händler schreiben würde:

Kauf dir für dein erstes Event kein Zelt.

Warum das Zelt mehr ist als ein Schlafplatz

Auf einem LARP-Event passieren die großen Szenen auf der Lichtung, vor der Burg, im Schlachtfeld. Aber die Geschichten, an die du dich in fünf Jahren noch erinnerst, passieren fast immer im Lager: das Gespräch am Feuer, als der Plan schiefging. Der Moment, in dem jemand deinen Charakter zum ersten Mal beim Vornamen nannte. Das Lied, das um zwei Uhr nachts jemand anfing und alle mitsangen.

Dein Zelt ist die Kulisse dafür. Es ist der Ort, an dem dein Charakter wohnt — nicht der Ort, an dem du schläfst. Dieser Unterschied verändert jede einzelne Entscheidung, die in diesem Artikel folgt.

Erst leihen, dann kaufen

Ein gutes Baumwollzelt kostet je nach Größe von gut 200 Euro für ein kleines A-Zelt bis in den vierstelligen Bereich. Das ist viel Geld für eine Entscheidung, die du triffst, bevor du weißt, ob du lieber allein oder in der Gruppe lagerst, ob dein Charakter ein Söldner oder eine Gelehrte wird und ob du überhaupt drei Nächte auf einer Isomatte magst.

Deshalb, in dieser Reihenfolge:

  1. Erstes Event: Frag in der Gruppe oder bei der Orga. Auf fast jedem Event gibt es Platz in einem bestehenden Lager — was du sonst noch einpacken solltest, steht in unserer Vorbereitung und Packliste für Einsteiger. Bei Tales&Legends bringt dich ein „Ich hab noch kein Zelt" zuverlässig unter ein Dach.
  2. Zweites bis drittes Event: Leih dir ein Zelt oder teile eines. Jetzt merkst du, welche Größe, welche Stehhöhe und welcher Aufbauaufwand zu dir passen.
  3. Danach: Kauf. Und dann bewusst.

Wenn du kaufst: gebrauchte LARP-Zelte sind eine ernsthafte Option. Baumwollzelte halten bei guter Pflege Jahrzehnte, und der Gebrauchtmarkt ist groß. Prüfe vor dem Kauf die Nähte, die Stangen (besonders die Fußpunkte) und riech ins zusammengelegte Zelt. Muffiger Geruch bedeutet Stockflecken: Die lassen sich mit Essig oder Natron oft abschwächen, aber selten vollständig entfernen — und das geschädigte Gewebe wird nicht wieder gut.

Welches LARP-Zelt passt zu dir? Die wichtigsten Zelttypen

A-Zelt — der Einstieg

Die einfachste Form: zwei Stangen, ein First, dreieckiger Querschnitt. Ein A-Zelt in der Größe 3 × 2 m wiegt rund 6 kg, bietet 1–2 Personen Platz und ist in zehn Minuten allein aufgebaut.

Für wen: Erstes eigenes Zelt, Solo-Spielende, Söldner- und Reisenden-Charaktere, alle mit kleinem Auto. Nachteil: Keine Stehhöhe. Umziehen findet im Sitzen statt.

Einmastzelt (Rundzelt / Kegelzelt) — der Allrounder

Eine Mittelstange, rundes Dach, oft 3,5 bis 4 m Durchmesser. Innen etwa 2,20 m hoch. Zwei Personen wohnen darin bequem, Aufbau geht zu zweit in einer Viertelstunde.

Für wen: Der beste Kompromiss aus Platz, Gewicht und Aufbauaufwand. Wenn du nur ein Zelt für alles willst, ist es meistens dieses. Nachteil: Die Mittelstange steht genau da, wo du eigentlich stehen willst.

Sachsen-, Wikinger- und Keilzelt mit Holzgestänge — das Gruppenzelt

Rechteckiger Grundriss, stabiles Holzgestänge, oft 4 × 6 m. Ein solches Zelt wiegt rund 26 kg und bringt ca. 2,50 m Firsthöhe mit. Hersteller geben 3–4 Personen an; mit Truhen, Rüstungsständer und drei Tagen Gepäck wohnen darin realistisch 2–3.

Für wen: Feste Gruppen, Frühmittelalter- und Wikinger-Settings, alle, die im Zelt auch spielen und nicht nur schlafen wollen. Nachteil: Ohne zwei helfende Hände wird der Aufbau zur Geduldsprobe.

Landsknechtzelt und Marktzelt — die Bühne

Große, hohe Zelte mit umlaufenden Seitenwänden, oft 4 m Durchmesser bei 3,50 m Höhe an der Mittelstange, Platz für 3–4 Personen. Optisch das, was die meisten vor Augen haben, wenn sie „Mittelalterzelt" hören.

Für wen: Adels-, Händler- und Fraktionscharaktere, Gruppenlager mit Repräsentationsanspruch, Tavernen und Spielorte. Nachteil: Gewicht, Preis und Transport. Das ist kein Zelt für Zugfahrende.

Lagerplane und Sonnensegel — der unterschätzte erste Kauf

Eine schlichte Plane zwischen zwei Bäumen, ab rund 30 Euro. Sie ist kein Zelt, aber sie macht aus einer Gruppe Einzelzelte ein Lager: überdachter Platz für Feuer, Tisch und Gespräche, geschützt gegen Sonne und leichten Regen.

Wenn du mit einem geliehenen Zelt zum Event fährst und trotzdem etwas Eigenes beitragen willst — das hier ist es.

Baumwolle, Mischgewebe oder Polyester?

Baumwolle ist der Standard im LARP, je nach Anbieter etwa 280 bis 450 g/m². 320 g/m² ist ein häufiger Wert; schwereres Tuch (etwa 425 g/m²) hält länger, wiegt aber auch spürbar mehr. Sie atmet, reguliert Feuchtigkeit, sieht richtig aus und klingt richtig, wenn Regen darauf fällt. Sie ist außerdem schwer, trocknet langsam und schimmelt, wenn man sie feucht einpackt.

Mischgewebe (typisch 65 % Polyester / 35 % Baumwolle) ist leichter, trocknet schneller und ist unempfindlicher. Optisch ist der Unterschied auf zwei Meter Entfernung kaum sichtbar, aus der Nähe schon.

Reines Polyester — also das klassische Kuppelzelt aus dem Outdoor-Laden — passt optisch nicht ins Lager, genauso wenig wie moderne Kleidung: Es gelten dieselben Überlegungen wie bei der Gewandung. Nicht wegen Regeln, sondern weil es die Illusion für alle im Umkreis von zwanzig Metern zerstört. Wegwerfen musst du es deswegen aber nicht: Der nächste Abschnitt zeigt, wie du es verkleidest.

Unsere Empfehlung: Baumwolle, wenn du das Zelt lange behalten und pflegen willst. Mischgewebe, wenn du oft und kurzfristig fährst und wenig Platz zum Trocknen hast. Beides ist völlig in Ordnung — und niemand bei uns schaut dir aufs Etikett.

Du hast schon ein Zelt? Bau ihm eine Hülle

Bevor du mehrere Hundert Euro ausgibst, gibt es einen dritten Weg — und der ist der Grund, warum du dein Festivalzelt nicht wegwerfen musst.

Die Dackelgarage ist eine Zeltverkleidung: ein einfaches A-Dach aus Baumwolle, das über dein bestehendes Zelt gestellt wird. Von außen steht im Lager ein Leinenzelt, innen steckt das Kuppelzelt, das du schon hast — wasserdicht, mückendicht, in fünf Minuten aufgebaut. Der Trick ist eine Arbeitsteilung: Das Innenzelt macht das Wetter, die Hülle macht die Optik. Deshalb muss an der Hülle keine einzige Naht dicht sein.

Birk aus unserer Community hat die erste gebaut, für ein Quechua MH100. Stoff, Gestänge und Zelt zusammen: rund 100 Euro. Gewicht: unter 7 Kilo. Nähzeit: ein Tag.

→ Zur vollständigen Bauanleitung mit Bauplan, Stückliste und Maßtabelle

Einwettern: Warum dein neues Zelt vor dem ersten Event nass werden muss

Das ist der Schritt, den fast alle Einsteiger:innen überspringen — und der Grund, warum das erste Event für viele nass endet.

Ein neues Baumwollzelt ist an den Nähten nicht dicht. Beim Nähen stechen Nadeln Löcher in den Stoff. Erst wenn die Baumwollfasern einmal nass geworden sind, quellen sie auf, ziehen das Gewebe zusammen und schließen diese Löcher. Dieser Vorgang heißt Einwettern (oder Anwettern) und passiert nur mit Wasser, nicht mit Zeit.

So geht's:

  1. Zelt zu Hause aufstellen, an einem Ort, an dem es ein paar Tage stehen darf.
  2. Die Außenhaut mit dem Gartenschlauch gründlich und gleichmäßig durchnässen — Dach, Wände, besonders die Nähte.
  3. Vollständig trocknen lassen. Vollständig heißt vollständig.
  4. Den Vorgang ein bis zwei Mal wiederholen.

Der Nebeneffekt ist mindestens so wertvoll wie die Abdichtung selbst: Du baust dein Zelt zum ersten Mal ohne Zeitdruck, im Hellen, auf ebenem Boden auf — und nicht im Nieselregen auf einer Wiese, während die Orga zum Zeit-In ruft. Du merkst dabei, ob Stangen fehlen, ob eine Naht offen ist und wie das Ding überhaupt funktioniert.

Einen Tag investieren, ein Wochenende retten. Wenn du aus diesem Artikel eine Sache mitnimmst, dann diese.

Zur Imprägnierung: Die meisten LARP-Zelte werden bereits imprägniert geliefert (gegen Wasser, Schimmel und Fäulnis). Diese Ausrüstung lässt mit den Jahren nach. Nachimprägnieren solltest du dann, wenn das Wasser nicht mehr abperlt, sondern in den Stoff einzieht — und immer auf dem sauberen, trockenen, aufgebauten Zelt.

Das Lager aufbauen: Standort, Boden, Sturmsicherung

Der Standort entscheidet über dein Wochenende. Bevor du das Zelt auspackst, geh den Platz ab:

  • Wasser läuft bergab. Eine Mulde, die bei Sonne gemütlich aussieht, ist bei Regen ein Teich. Suche leicht erhöhtes, ebenes Gelände.
  • Schau nach oben. Tote Äste über dem Zelt sind das ernsthafteste Risiko im Waldlager.
  • Schau nach unten. Steine und Wurzeln findest du besser jetzt als um Mitternacht mit dem Hüftknochen.
  • Denk an die Morgensonne. Ein Zelt in der Ostsonne ist um sieben Uhr eine Sauna.

Bodenplane: Nicht optional. Sie schützt den Zeltboden gegen Feuchtigkeit von unten und gegen scharfe Steine. Wichtig ist, dass sie nicht unter dem Zeltrand hervorschaut — sonst sammelt sie Regenwasser und leitet es unter dein Zelt statt davon weg.

Heringe: Die mitgelieferten sind fast immer zu kurz und zu weich. Nimm lange Stahlheringe. Sie sind das billigste Bauteil im ganzen Lager und das, was dein Zelt nachts bei Wind am Boden hält.

Und die wichtigste Regel bei Regen: Fass die nasse Zeltwand von innen nicht an. Baumwolle ist dicht, weil die gequollenen Fasern das Gewebe schließen. Ein Finger oder ein angelehnter Rucksack schafft eine Kapillarbrücke, an der das Wasser nach innen wandert — und solange dort etwas anliegt, tropft es genau an dieser Stelle.

Warm und trocken schlafen — auch im Herbst

Kälte kommt vor allem von unten, nicht von der Seite. Wer im Oktober friert, hat fast immer zu wenig unter sich und zu viel über sich.

Von unten nach oben aufbauen:

  1. Bodenplane
  2. Abstand zum Boden — Holzpaletten, ein Feldbett oder eine zweite, dicke Matte
  3. Isomatte oder Matratze
  4. Warmer Schlafsack
  5. Wolldecken, Felle und der Gambeson obendrauf — sie halten warm und verstecken gleichzeitig den modernen Schlafsack darunter

Das ist der eleganteste Trick im Lager: Die moderne Ausrüstung liegt unten, das Mittelalter liegt oben. Warm und stimmig zugleich, ohne Kompromiss bei der Gesundheit.

Gegen Kondenswasser hilft nur Lüften. Feuchte Atemluft trifft auf die kalte Zeltwand und schlägt sich nieder. Lass die Lüftung offen, auch wenn es kalt ist — ein leicht durchlüftetes Zelt ist wärmer als ein feuchtes, weil nasse Ausrüstung nicht mehr isoliert.

Sicherheit im Lager: Feuer, Öfen und Kohlenmonoxid

Diesen Abschnitt schreiben wir ausführlicher, als nötig wäre, weil im Netz dazu gefährlich schlechte Ratschläge kursieren.

Die eine Regel, die nicht verhandelbar ist: Niemals Holzkohle, Grills, Gaskocher oder Heizpilze in einem geschlossenen Zelt betreiben — auch nicht zum Nachwärmen, auch nicht kurz, auch nicht bei geöffnetem Eingang.

Der Grund ist Kohlenmonoxid. Das Gas ist unsichtbar, geruchlos und geschmacklos — du kannst es mit keinem Sinn wahrnehmen. Die Initiative zur Prävention von Kohlenmonoxid-Vergiftungen, der auch der Deutsche Feuerwehrverband angehört, warnt ausdrücklich: Kohlenmonoxid aus Holzkohlegrills und Stromaggregaten in geschlossenen Räumen kann selbst bei geöffneten Fenstern und Türen tödlich sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung formuliert es genauso — geöffnete Fenster oder Türen bieten keine Sicherheit. Ein Zelt ist ein geschlossener Raum. Glimmende Kohle, die scheinbar harmlos in einer Metallschale nachglüht, ist dabei besonders tückisch, weil sie unvollständig verbrennt und dabei besonders viel CO freisetzt.

Die typischen frühen Anzeichen — Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit — werden auf einem LARP zuverlässig für Erschöpfung oder zu wenig Schlaf gehalten. Genau das macht die Sache so gefährlich.

Wer im Zelt mit Kopfschmerzen oder Übelkeit aufwacht: alle sofort wecken und gemeinsam raus ins Freie, Zelt offen lassen, nicht wieder hineingehen. Dann über die Orga die Sanitäter holen oder 112 rufen. Der Ursache geht man danach nach. Eine mögliche CO-Vergiftung gehört ärztlich abgeklärt, auch wenn es an der frischen Luft schnell besser wird — das ist kein Grund zur Entwarnung.

Was funktioniert:

  • Feuer draußen. Feuerschale oder Feuerstelle im Freien, mit ausreichend Abstand zu allen Zeltwänden und Abspannleinen. Baumwolle brennt.
  • Zeltöfen mit Rauchrohr sind eine echte Option, aber nur mit dichtem Abzug nach außen, feuerfestem Durchlass in der Zeltwand, Abstand zu allem Brennbaren und niemandem, der daneben schläft. Kläre vorher mit der Orga, ob sie erlaubt sind — bei vielen Events sind sie es nicht. Warum das Rauchrohr der entscheidende Teil ist und nicht der Brennstoff, steht gleich unten.
  • CO-Melder, wenn im Lager überhaupt etwas verbrennt. Achte auf die Prüfnorm EN 50291; für den Einsatz im Lager sind Melder nach EN 50291-2 (für Freizeitfahrzeuge, geprüft auf Erschütterung, Temperatur und Feuchte) die robustere Wahl. Ein Melder für rund 30 Euro ist die günstigste Lebensversicherung, die du kaufen kannst.
  • Wärmflasche und heißer Tee. Unspektakulär, absolut sicher, und funktioniert seit Jahrhunderten.
  • Kerzen und Laternen immer in geschlossenen Laternen, nie offen neben Stoff, und aus, bevor du einschläfst. Warmweiße LED-Kerzen sind in Schlafzelten die vernünftigere Wahl — und sehen in einer echten Laterne erstaunlich gut aus.

Und was ist mit Petroleumöfen?

Die Frage kommt oft, und sie ist berechtigt: Ein kleiner Petroleumofen wirkt zahmer als ein Holzofen. Kein Funkenflug, kein Rauch, kein Holzstapel. Tatsächlich ist er im Zelt die gefährlichere Variante — und das liegt nicht am Brennstoff, sondern an einem Bauteil, das fehlt.

Entscheidend ist nicht, was brennt, sondern wohin die Abgase gehen. Ein Zeltofen mit Rauchrohr führt seine Verbrennungsgase durch den Schornstein nach draußen. Der klassische Petroleumofen — die Bauart, die man als „Zibro" oder „Qlima" kennt — hat überhaupt keinen Abzug. Alles, was er produziert, geht in den Raum: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickstoffdioxid und Wasserdampf. Das ist kein Defekt, das ist das Funktionsprinzip. Diese Geräte sind für ein Zimmer mit Fenster gebaut, nicht für ein Zelt.

Die Größenordnung macht es deutlich. Ein Hersteller gibt für eines seiner Modelle rund 50 m² beziehungsweise 120 m³ Raum an. Zum Vergleich: Ein A-Zelt fasst etwa 4 m³, ein Einmastzelt mit 3,5 m Durchmesser rund 7 m³, ein großes Landsknechtzelt mit 4 m Durchmesser und 3,5 m Höhe knapp 15 m³. Selbst das größte Lagerzelt liegt bei einem Achtel dessen, wofür das Gerät ausgelegt ist.

Dazu kommt das Wasser. Bei der Verbrennung entsteht Wasserdampf, und zwar reichlich — rechnerisch rund ein Liter je Liter Brennstoff. In einem Baumwollzelt schlägt der sich an der Zeltwand nieder, im Schlafsack und im Gambeson. Selbst wenn sonst nichts passierte: Du wachst im Nassen auf.

Und Stickstoffdioxid. Das Umweltbundesamt führt mit Öl betriebene Raumheizungen ausdrücklich als Innenraumquelle für NO₂ und nennt als Richtwerte für die Innenraumluft 350 µg/m³ über 30 Minuten und 60 µg/m³ im Wochenmittel. Werte, die man in einem Zimmer im Blick behalten kann — in sieben Kubikmetern Zelt nicht.

Wie schnell so etwas kippt, zeigt ein dokumentierter Fall: Im März 2020 starben am Taschachferner zwei Bergsteiger in einem geschlossenen Zelt an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Die Obduktion ergab CO-Hb-Werte von 48 und 59 Prozent. Laborversuche im Rahmen der Aufarbeitung zeigten, dass in einem geschlossenen Zelt schon nach etwa einer halben Stunde Kochen eine kritische Konzentration erreicht werden kann. Das war ein kleiner Gaskocher — kein Ofen, der die ganze Nacht durchläuft.

„Meiner hat doch eine Abschaltautomatik." Kippschalter und Sauerstoffsensoren sind für Wohnräume gedacht und lösen nach ihren eigenen Kriterien aus — nicht bei Kohlenmonoxid. Ein Kippschalter hilft nicht, wenn die Flamme rußt. Nimm solche Automatiken als Zusatz, nie als Erlaubnis.

Und ein Punkt, der oft untergeht: „Lampenöl" ist nicht automatisch Petroleum. Unter diesem Namen werden mehrere verschiedene Destillate verkauft — hochgereinigtes Paraffinöl, gereinigtes Petroleum, manches parfümiert oder eingefärbt. Sie unterscheiden sich im Aromatengehalt, im Rußverhalten und im Geruch deutlich. Ein Ofen ist für genau eine Sorte gebaut. Der falsche Brennstoff verdampft schlechter, rußt stärker und erzeugt mehr CO. Es entscheidet die Bedienungsanleitung, nicht das Etikett im Regal — und Diesel gehört nie hinein. Dass beim Nachfüllen ein heißes Gerät und offener Brennstoff neben Baumwolle zusammenkommen, ist ein Risiko für sich.

Was stattdessen funktioniert: eine Standheizung mit geschlossener Brennkammer, wie sie im Camperbereich üblich ist. Sie hat zwei getrennte Kreisläufe — die Verbrennungsluft kommt von außen, die Abgase gehen nach außen, und die Zeltluft strömt nur über einen Wärmetauscher, ohne je mit der Flamme in Berührung zu kommen. Das ist dasselbe Prinzip wie das Rauchrohr am Holzofen, nur konsequent zu Ende gebaut. Der Schwachpunkt sind Undichtigkeiten an den Anschlüssen und ein zu dicht nebeneinander liegender Ansaug und Auspuff. Das ist allerdings ein richtiger Einbau mit feuerfestem Durchlass, kein Gerät, das man abends kurz reinstellt — und die Orga muss es erlauben.

Die Regel, auf die sich alles eindampfen lässt: Der Abzug ist die Sicherheitseinrichtung, nicht der Brennstoff. Kein Abzug, kein Betrieb im Zelt. Und ein CO-Melder nach EN 50291-2, sobald im Lager überhaupt etwas brennt.

Und noch etwas, das nichts kostet: Wisst als Gruppe, wo der Feuerlöscher steht, wo die Sanitäter sitzen und wie der Weg zum nächsten befahrbaren Punkt verläuft. Fünf Minuten beim Aufbau, einmal laut ausgesprochen.

Immersion: Wie aus einem Zelt ein Zuhause wird

Ein technisch perfektes Lager kann trotzdem tot wirken. Was den Unterschied macht, sind kleine Dinge:

  • OT-Sachen verschwinden. Kühlbox, Plastikkisten, Autoschlüssel — alles ins Zelt oder unter eine Plane. Nie vor dem Zelteingang. Diese eine Gewohnheit hebt die Stimmung im gesamten Lager mehr als jede Dekoration. Ausnahme: Gaskocher und Gaskartuschen bleiben draußen oder unter einer Plane, nie im Schlafzelt.
  • Licht ist alles. Warmweiße LED-Laternen an Zeltstangen und Wegen. Kaltweißes Licht macht aus einem Mittelalterlager sofort einen Parkplatz.
  • Ein gemeinsames Zeichen. Eine Fahne in Gruppenfarben, ein einheitliches Band, ein Wappen am Eingang. Das kostet fast nichts und macht aus vier Zelten eine Fraktion.
  • Ein Grund, ins Lager zu kommen. Ein Feuer, das brennt. Ein Kessel Suppe. Eine Bank, die einlädt. Das offenste Lager auf dem Event ist immer das, in dem am meisten passiert.
  • Der Innenraum zählt. Eine Truhe statt der Reisetasche, ein Tuch über der Isomatte, ein Becher aus Holz oder Ton auf der Kiste. Drei Gegenstände reichen, damit der Blick beim Aufwachen stimmt.

Nach dem Event: Trocknen und lagern

Hier entscheidet sich, ob dein Zelt fünf Jahre hält oder fünfundzwanzig.

Ein feucht eingepacktes Baumwollzelt schimmelt. Bei mehr als ein, zwei Tagen im Sack ist das praktisch sicher — und Stockflecken lassen sich zwar mit Essig oder Natron abschwächen, aber selten ganz entfernen. Vor allem schwächen sie das Gewebe dauerhaft.

Realistisch ist das Zelt beim Abbau am Sonntag nass. Das ist normal. Entscheidend ist, was danach passiert: Zu Hause so schnell wie möglich, im Zweifel noch am Montag wieder aufbauen oder ausbreiten — Garten, Garage, Keller, notfalls quer durchs Wohnzimmer — und vollständig durchtrocknen lassen, inklusive Nähte, Säume und Bodenplane.

Danach: locker und trocken lagern, nicht luftdicht in Plastik. Erde und Blätter vorher trocken abbürsten. Keine Waschmaschine, keine Waschmittel, keine Weichspüler — sie zerstören die Imprägnierung.

Dein Platz am Feuer

Das erste eigene Zelt ist ein schöner Moment. Aber es ist nicht die Eintrittskarte — am Ende ist es nur ein Möbelstück.

Die Eintrittskarte ist, dass du kommst.

Bei Tales&Legends findet jede und jeder ein Dach über dem Kopf. Wenn du zu deinem ersten Event fährst und kein Zelt hast: sag Bescheid. Wenn du dein erstes eigenes Zelt gekauft hast und keine Ahnung hast, wie es steht: sag Bescheid. Es haben schon genug Leute vor dir vor demselben Haufen Stangen gestanden.

Und wenn du noch gar kein Event hast, zu dem du fahren könntest: Schau, wann wir das nächste Mal gemeinsam ins Feld ziehen.

Wir sehen uns im Lager.


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Häufige Fragen

Über den AutorNils Jäkel

Nils Jäkel organisiert seit fünf Jahren Sommertheater-Events und besucht seit ebenso langer Zeit LARP-Veranstaltungen; seit vier Jahren ist er zudem Lagerorga in einem der größten Lager auf dem Conquest of Mythodea, dem größten LARP-Event der Welt. Vier Jahre lang leitete er einen Theaterverein als Vorstand, seit zwei Jahren ist er zudem Vorstandsvorsitzender des Landesverbands für Amateurtheater Sachsen.

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