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Ausrüstung4 Min. LesezeitVeröffentlicht am 27. Aug. 2026

Gewandung & Ausrüstung

Was zum Setting passt, muss nicht teuer sein — der Einstieg gelingt auch einfach.

Gewandung & Ausrüstung

Eines der häufigsten Missverständnisse über LARP lautet: „Das ist doch bestimmt wahnsinnig teuer." Der Blick auf aufwendige Kettenrüstungen und handgefertigte Elfengewänder in sozialen Medien befeuert diese Einschätzung — dabei beginnen viele der beeindruckendsten LARPeInnern mit einer Wolltunika aus dem Secondhand-Laden und einem Ledergürtel für unter zwanzig Euro. Was wirklich zählt, ist nicht der Preis, sondern die Stimmigkeit: Eine Figur, deren Kleidung zum Setting passt und die sichtbar Mühe zeigt, wirkt überzeugend — egal ob das Kostüm hundert Stunden Eigenarbeit oder zwei Stunden Marktbesuche bedeutete.

Was ist überhaupt „Gewandung"?

Im LARP-Jargon meint Gewandung alles, was deine Figur sichtbar trägt: Kleidung, Schuhe, Kopfbedeckung, Schmuck, Taschen und Beutel. Der Begriff kommt aus dem historischen Handwerk und meint wörtlich die Gesamtheit der Bekleidung — er ist im Deutschen LARP so geläufig, dass auch Neueinsteiger ihn schnell übernehmen.

Ausrüstung bezeichnet darüber hinaus alles, was deine Figur benutzt: Waffen, Schilde, Heilertaschen, Schreibzeug, magische Requisiten. Die Grenze ist fließend — ein Schwert am Gürtel ist beides zugleich, Gewandung und Ausrüstung.

Das Minimum für den ersten Einstieg

Für ein Fantasysetting brauchst du als Grundausstattung:

  • Oberteil — eine einfache Tunika, ein Leinenhemd oder ein lockeres Gewand in natürlichen Farben (Beige, Grün, Braun, Rostrot). Nichts mit modernen Aufdrucken, Reißverschlüssen oder synthetischem Glanz.
  • Hose oder Rock — Leinenhosen, Breeches, ein langer Rock in natürlichen Farben.
  • Gürtel — ein breiter Leder- oder Stoffgürtel macht aus fast allem eine vorzeigbare Mittelaltersilhouette.
  • Schuhe — idealer Weise ohne sichtbare moderne Elemente. Schnürschuhe aus braunem Leder oder einfache Stiefel funktionieren gut; Gummisohlen werden von den meisten Veranstaltungen akzeptiert.

Das war's als Grundlage. Alles andere — Umhänge, Accessoires, Taschen, Kettenhemden — kommt mit der Zeit.

Layering: der einfachste Weg zu mehr Authentizität

Ein einzelnes Kleidungsstück wirkt selten so überzeugend wie mehrere aufeinander abgestimmte Schichten. Mittelalterliche und fantasieinspirierte Kleidung lebte von Tiefe: ein engeres Unterhemd, das unter einer weiteren Tunika hervorlugt; ein Überwurf, der locker über die Schultern fällt; ein Gürtel, der alles zusammenhält. Drei einfache Regeln für gutes Layering:

  • Unterschiedliche Längen — wenn Unterhemd, Tunika und Überwurf alle gleich lang sind, verschmelzen sie optisch. Setz bewusst Kontraste: kurze Jacke über langem Hemd, kurzer Überwurf über knielanger Tunika.
  • Natürliche Farben aufeinander abstimmen — Erdtöne harmonieren gut miteinander. Kombiniere ruhig Beige, Dunkelgrün, Graubraun und Rostrot in einer Gewandung, solange keine Farbe zu synthetisch oder zu grell wirkt.
  • Texturen mischen — grob gewebtes Leinen über feinerem Baumwollstoff, ein Ledergürtel über weichem Stoff, eine Wollüberjacke über einem Leinenhemd. Selbst günstige Stoffe wirken edel, sobald sie in Kontrast zu einem anderen Material stehen.

Quellen & Anlaufstellen

Secondhand und Upcycling sind unterschätzte Goldminen. Flohmärkte, Secondhand-Läden und Online-Plattformen bieten regelmäßig Leinenhemden, Wollstoffe, Ledergürtel und robuste Stiefel zu Spottpreisen. Mit etwas Geduld und einer Schere lässt sich daraus oft mehr machen als aus dem günstigen LARP-Onlineshop.

LARP-Shops wie Andracor, Epic Armoury oder Black Boar haben gute Einstiegssortimente. Besonders Starter-Bundles (Tunika + Hose + Gürtel) sind günstig und passen gut zusammen.

Community-Tauschbörsen — in LARP-Gruppen auf Social Media oder auf Events selbst wird ständig gebrauchte Ausrüstung verkauft, verschenkt oder getauscht. Schau rein, bevor du neu kaufst.

Waffen und Kampfausrüstung

Schaumstoffwaffen (auch Latexwaffen genannt, nach dem häufig verwendeten Überzugsmaterial) sind das Herzstück des LARP-Kampfs. Sie bestehen oft aus einem Glasfaserkern mit Schaumstoffummantelung, sind mit Latex oder Silikon überzogen und wirken dadurch überraschend realistisch — bei einem Treffer schmerzt es kaum.

Für den Einstieg gilt: du brauchst keine teure Waffe. Zu Beginn reicht eine Einsteigerwaffe, oder du kannst mit einer unbewaffneten Figur (Händler, Heilerin, Diplomat) gänzlich ohne Kampf spielen. Wenn du dir irgendwann eine Waffe kaufen möchtest, gilt als Faustregel:

  • Günstige Einsteigerschwerter ab ca. 30–50 € sind für Gelegenheitsspieler vollkommen ausreichend.
  • Bei einigen Orgas muss jede Waffe vor dem Event einen Waffencheck bestehen — Spielleitung und Sicherheitsbeauftragte prüfen, ob Schaum und Abdeckung intakt sind. Beschädigte Waffen dürfen nicht gespielt werden.
  • Kaufe keine Waffen von Temu oder anderen Billiganbietern. Nutze lieber bekannte Händler (z. B. Andracor, Epic Armoury, Black Boar).

Rüstungen: schön, aber optional

Kettenrüstungen, Plattenteile und Lederrüstungen sehen eindrucksvoll aus und erfüllen auf einigen Events auch spielmechanisch eine Funktion (mehr einsteckbare Treffer). Sie sind aber teuer, schwer und für den Einstieg absolut nicht nötig. Wenn du magst, fang mit einem einfachen Lederarmschutz oder einem gesteppten Gambeson an — beides ist erschwinglich, schützt optisch und funktional, und ergänzt eine schlichte Gewandung sofort aufwertend.

Pflege und Lagerung

Leinenstoffe vertragen Maschinenwäsche bei 30–40 °C; lass sie an der Luft trocknen, um Schrumpfen zu vermeiden. Latexwaffen lagern am besten kühl, trocken und lichtgeschützt — direktes Sonnenlicht und Hitze lassen das Material schneller altern. Ein wenig Silikonöl oder Latexmilch alle paar Monate hält die Oberfläche geschmeidig.

Worauf kommt es wirklich an?

Auf Echtheit im Ausdruck, nicht im Material. Eine schlicht gekleidete Figur, die sich vollständig auf das Spiel einlässt, ist überzeugender als eine aufwendig kostümierte, die ständig auf ihr Handy schaut. Gewandung ist das erste Signal an alle um dich herum: Ich bin dabei, ich nehme das ernst, und ich respektiere die gemeinsame Illusion. Der Rest kommt von selbst.

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