Tales&Legends
Sicherheit3 Min. LesezeitVeröffentlicht am 27. Aug. 2026

LARP-Waffen & Sicherheitsregeln

Wie Schaumstoffkampf funktioniert — und warum Sicherheit dabei kein Bürokratie-Akt ist.

LARP-Kampf sieht aus wie echter Kampf — und fühlt sich dramatisch an, wenn man mittendrin ist. Dass dabei niemand ernsthaft verletzt wird, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Regeln, geprüfter Ausrüstung und einer Kampfkultur, die auf Kontrolle statt auf Kraft setzt.

Was ist eine Latexwaffe?

Schaumstoffwaffen — im LARP-Jargon meist Latexwaffen genannt — bestehen oft aus einem Glasfaserkern mit Schaumstoffummantelung, die mit Latex oder Silikon überzogen ist. Das Ergebnis ist eine Waffe, die einem echten Schwert, einer Axt oder einem Dolch täuschend ähnlichsieht, bei einem Treffer aber kaum schmerzt.

Neben Schwertern, Äxten und Dolchen gibt es auch größere Waffen (Zweihandschwerte, Stangenwaffen), Schilde, Bögen mit Schaumstoffpfeilen und Wurfwaffen. Jede Kategorie hat eigene Bauvorschriften, die bestimmen, wie weich die Treffflächen sein müssen und welche Kerne zulässig sind.

Gute Latexwaffen kommen von spezialisierten Herstellern — Andracor, Epic Armoury, Black Boar und andere. Kauf keine Schaumstoffwaffen von unbekannten Billiganbietern wie Temu: Sie erfüllen oft keine Sicherheitsstandards und werden beim Waffencheck nicht zugelassen.

Der Waffencheck

Bei einigen Veranstaltungen muss jede Waffe vor Spielbeginn einen Waffencheck bestehen. Sicherheitsbeauftragte der Spielleitung prüfen dabei:

  • Ob der Kern sicher ummantelt ist und nicht freigelegt ist
  • Ob Schaum und Latexhülle intakt sind und keine Risse, Löcher oder abgeblätterte Stellen aufweisen
  • Ob alle Trefferflächen ausreichend gepolstert sind
  • Ob Stichwaffen eine ausreichend weiche Spitze haben

Beschädigte Waffen werden nicht zum Spielbetrieb zugelassen — auch wenn die Beschädigung klein erscheint. Überprüfe deine Waffen vor jedem Event selbst, damit du keine Überraschungen erlebst.

Die Grundregeln des LARP-Kampfs

Die konkreten Kampfregeln unterscheiden sich je nach Veranstaltung und Regelwerk. Die folgenden Grundsätze sind jedoch fast universell:

Kopf- und Halstreffer sind verboten: Schläge gegen das Gesicht, den Kopf und den Hals sind in den allermeisten LARP-Systemen ausdrücklich untersagt. Auch weiche Waffen können bei unkontrollierten Treffern Verletzungen verursachen. Diese Regel ist nicht verhandelbar.

Gezogene Schläge: Im LARP wird kontrolliert gekämpft, nicht mit voller Kraft. Ein guter Treffer ist einer, der leichten Kontakt macht und klar registrierbar ist — kein harter Schlag. Das erfordert Übung, zahlt sich aber aus: Kontrolliertes Kämpfen ist besser für alle Beteiligten und sieht trotzdem überzeugend aus.

Treffer anerkennen: Wenn du getroffen wirst, spiel es aus. Wer Treffer ignoriert, zerstört die gemeinsame Fiktion und die Fairness des Kampfs.

Auf den Zustand anderer achten: Achte darauf, ob dein Gegenüber ermüdet, verletzt oder unwohl wirkt. Passe deine Intensität entsprechend an. Gute Kämpfende kommunizieren — auch nonverbal.

Safewort und Zeitstop

Jede ernsthafte Situation — Verletzung, Unbehagen, medizinischer Notfall — wird sofort durch ein Safewort oder ein Zeitstop-Signal unterbrochen. Das Spiel hält an, bis die Situation gelöst ist.

Das Safewort variiert je nach Veranstaltung (oft „Hold!", „Zeitstop!" oder eine vereinbarte Geste). Es wird von allen Teilnehmenden laut weitergegeben, damit das Signal schnell das gesamte Spielfeld erreicht. Zögere nie, das Safewort zu benutzen — weder für dich noch für jemand anderen.

Kampfstile und Entwicklung

Einsteiger beginnen meist mit Einhandkampf — eine Waffe, kein Schild. Das gibt Zeit, Grundbewegungen, Timing und kontrollierten Schlagansatz zu entwickeln.

Mit Erfahrung kommen weitere Stile: Schildkampf mit einer einhändigen Waffe, Zweihandwaffen mit mehr Reichweite und Wucht, beidhändiger Kampf mit zwei Waffen für Beweglichkeit. Jeder Stil hat andere Stärken und erfordert andere Fähigkeiten.

Kampf im LARP ist kein Sport, bei dem du gewinnen oder verlieren musst. Er ist eine dramatische Interaktion zwischen Figuren. Ein heldenhafter Tod kann eine der besten Szenen auf einem Event sein.

Waffen pflegen

Latexwaffen altern, wenn sie schlecht gelagert werden. Wichtige Pflegehinweise:

  • Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern — Sonnenlicht und Hitze lassen Latex vorzeitig reißen.
  • Alle paar Monate mit Silikonöl oder Latexmilch einreiben, um die Oberfläche geschmeidig zu halten.
  • Nach dem Event auf Beschädigungen prüfen und kleinere Risse sofort reparieren, bevor sie sich ausweiten.

Eine gut gepflegte Latexwaffe hält viele Jahre.

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